Auf dem Weg zum Himmel…

Es waren einmal viele Tiere auf dem Weg zum Himmel. Ein Weiser mit dem gleichen Ziele schloss sich ihnen an und frug sie der Reihe nach nach ihrem Leben.

Da zählte ein Fuchs seine Abenteuer auf, ein Eichhörnchen berichtete von seinem beweglichen Dasein, ein Hahn tat sich groß mit seinen Pflichten, ein Regenwurm murmelte dunkle Dinge und ein Floh wusste viel Menschliches.

Als es aber an der Eidechse war zu reden, schwieg sie.

Der Weise wartete, die Eidechse schwieg, der Weise gab ihr gute Worte, die Eidechse schwieg. Der Weise bot seine ganze Weisheit auf, die Eidechse schwieg noch immer.

Schließlich, als sie schon dem Himmel nahe waren, züngelte sie ein bisschen, blinzelte einmal und sagte:

„Ich habe mich gesonnt.“

(Hellmut von Cube)

Religiös sein…

…heißt nicht unklug, engstirnig, eitel, ängstlich, antriebslos, feige, fortschrittsfeindlich, gönnerhaft, selbstgerecht, makellos, rührselig, harmlos, einfallslos, erstarrt.

Religiös denkt, wer gründlich denkt. Wer bis zum Grund zu denken wagt, wird Gott entdecken können.

von Martin Gutl (aus „Frühschicht – Spätschicht“, Manfred Frigger, Herder-Verlag)

Der Heilige Geist ist bunt…

Der Heilige Geist ist ein bunter Vogel. Er ist da, wo einer den anderen trägt.Der Heilige Geist ist da, wo die Welt bunt ist, wo das Denken bunt ist, wo das Denken und Reden und Leben gut ist. Der Heilige Geist lässt sich nicht einsperren in katholische Käfige, nicht in evangelische Käfige. Der Heilige Geist ist spontan, ist bunt, sehr bunt, und er duldet keine Uniformen. Er liebt die Phantasie, er liebt das Unberechenbare, er ist selbst unberechenbar.

Von Wilhelm Willms

Ruhezeit mal ganz anders

Zeit zum Nachdenken – ohne zu grübeln.

Zeit für mein Hobby – ohne die anderen Menschen zu vergessen.

Zeit für die Natur – ohne sie auszubeuten.

Zeit für mich – ohne egoistisch um mich selber zu kreisen…

Zeit für die Freundschaft mit Gott – mit Wahrhaftigkeit und Herz.

Gott

bleib nicht stumm
versteck dich nicht
wenn mir der Boden
unter den Füßen entgleitet
wenn meine Welt
zerbricht
wenn alles über mir
zusammenschlägt.

Überlasse mich nicht
dem Nichts

setz einen neuen Anfang

schaff meinen Schritten weiten Raum
führ mich in die Weite
die DU bist.

(Katja Süß, nach Psalm 18, aus "Segen für den Weg des Lebens"

Liebe

Eine alte Indianerin pflegte ihren spanischen Nachbarn stets ein paar Rebhuhneier oder eine Handvoll Waldbeeren zu bringen. Die Nachbarn sprachen kein Araukanisch mit Ausnahme des begrüßenden „Mai-mai“ und die alte Indianerin konnte kein Spanisch, doch sie genoss Tee und Kuchen mit anerkennendem Lächeln.

Die Nachbarskinder bestaunten ihre farbigen Umhänge, von denen sie mehrer übereinander trug, ihre kupfernen Armbänder und ihre Halsketten aus Silbermünzen. Sie wetteiferten darum, den melodischen Satz zu behalten, den die Frau jedes Mal zum Abschied sagte. Schließlich konnten sie ihn auswendig, und sie fragten einen anderen Indianer, der zugleich spanisch sprach, was er bedeute.

„Er bedeutet“, antwortete dieser, „ich werde wiederkommen; denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“

(Aus „Oh! – Noch mehr Geschichten für andere Zeiten“)

Auf Weihnachten zu…

In der Nähe eines alten Bauernhauses lag ein alter Brunnen. Sein Wasser war ungewöhnlich kalt und rein und köstlich zu trinken. Aber das Besondere war: er trocknete nie aus. Selbst bei der größten sommerlichen Dürre, wenn schon überall das kostbare Nass rationiert wurde, gab er getreu sein kühles, klares Wasser.

Dann kam die Zeit, wo alles modernisiert wurde. Das Haus wurde umgebaut; es wurde auch eine moderne Wasserleitung gelegt. Den alten Brunnen brauchte man nicht mehr. Er wurde verschlossen und versiegelt. So blieb es mehrere Jahre.

Eines Tages wollte ein Hausbewohner aus Neugierde noch einmal in die dunkle und feuchte Tiefe des Brunnens sehen. Er deckte den Brunnen ab und wunderte sich: Der Brunnen war total ausgetrocknet. Der Mann wollte herausbekommen, wie das geschehen konnte. Aber es dauerte lange, bis er den Grund wusste: Ein solcher Brunnen wird von Hunderten winziger Bäche gespeist, die unter der erde für den ständigen Wasservorrat sorgen. Die winzigen Öffnungen der vielen Bächlein bleiben rein und offen, wenn immer wieder Wasser abgeschöpft wird. Wird ein solcher Brunnen aber nicht mehr benutzt, dann versiegen die Bäche. (Aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten Teil 1, Grünewaldverlag)

Wenn wir uns umeinander, um Gott nicht mehr kümmern, verkümmern unsere Beziehungen zu den Mitmenschen und zu Gott. Sie „trocknen aus“. Aus dem Brunnen der Liebe, des Wortes Gottes immer wieder schöpfen – das hält lebendig.

Springbrunnen am Friedhof in Donauwörth